Stangengebisse haben im Vergleich zu gebrochenen Gebissen eine andere Wirkung auf die Zunge. Bei geraden Stangen wird der Druck gleichmäßiger über die gesamte Zungenbreite verteilt, wodurch weniger Druck auf die Zungenränder ausgeübt wird. Allerdings kann auch bei lockerem Zügel bereits leichter Druck auf der Zunge entstehen, der sich bei stärkerem Zügelanzug erhöht. Eine feinfühlige und geübte Reiterhand ist daher bei der Verwendung von Stangengebissen unerlässlich.
Starre und gerade Stangengebisse haben die stärkste Wirkung unter allen gängigen Stangengebisstypen. Sie sind besonders geeignet für sehr starke Pferde, die gegen die Hand des Reiters gehen und schwer zu regulieren sind. Dies kann anatomisch bedingt sein und tritt häufig bei Pferden mit dicker Ganasche und starker Hals- und Nackenmuskulatur auf. Auch für Pferde, die sich stark auf die Hand legen und nach unten drücken, wird diese Art von Gebiss häufig verwendet.
Flexible Stangengebisse mit geradem Mundstück haben eine andere Wirkung als starre Stangen. Der Druck verteilt sich bei Zügelanzug über die gesamte Zunge, wird jedoch zu den Zungenrändern hin stärker. Diese Art von Gebissen wird für Pferde empfohlen, die sich im Training bei bestimmten Lektionen oder beim Anreiten von Hindernissen fest machen. Sie werden auch von sensiblen Pferden gut angenommen, da flexible Stangengebisse meist aus weichen Materialien wie Kunststoff, Gummi oder Leder gefertigt werden.
Stangengebisse mit Zungenfreiheit unterscheiden sich von geraden Stangen dadurch, dass die Zungenmitte entlastet wird und erst bei stärkerem Zügelanzug belastet wird. Diese Art von Gebissen ist für Pferde geeignet, die gelegentlich gegen die Hand des Reiters gehen, für Pferde mit einer besonders dicken Zunge oder zur Korrektur von Zungenproblemen. Sie sind auch hilfreich bei Pferden, die Druck auf der Zunge als unangenehm empfinden und diesem durch Hochziehen oder Herausstrecken der Zunge ausweichen.
Ein Pelham ist ein Gebiss, bei dem das Mundstück fest mit dem Seitenteil verbunden ist. Dies führt zu einer direkten Wirkung auf die Zunge und einer ruhigen Lage im Pferdemaul. Die Seitenteile sollten dicht am Maulwinkel abschließen, um eine seitliche Begrenzung zu gewährleisten und ein Verrutschen zu verhindern. Die Kinnkette sollte so verschnallt werden, dass ein Winkel von ca. 30 bis 45 Grad zwischen Maulspalte und Unterzug zugelassen wird. Sie begrenzt den Druck auf das Genick und verhindert ein zu starkes Einrollen oder Ausweichen nach unten. Da der Unterkiefer in der Kinngrube sehr empfindlich ist und die Knochen nur von einer dünnen Hautschicht bedeckt sind, sollte eine Kinnkettenunterlage als Polster verwendet werden.
Die Länge der Seitenteile des Pelhams spielt eine wichtige Rolle. Kurze Unterzüge reagieren schneller als längere, während längere Unterzüge mehr Druck auf das Genick ausüben können. Mit Pelhams mit kurzem Unterzug können Reiter schneller reagieren und den Druck auch schneller wieder nachgeben.
3-Ring Gebisse sind sehr flexibel und vielseitig einsetzbar, da sie verschiedene Möglichkeiten der Zügelverschnallung bieten. Das Mundstück kann im Ring frei gleiten, wodurch der Druck auf das Genick unabhängig vom Druck auf die Zunge erhöht werden kann. Dies ist besonders vorteilhaft bei stürmischen oder starken Pferden, die auf die Einengung der Zunge mit Kopfschlagen oder Widerstand reagieren.
Es gibt mehrere Variationen der Verschnallung bei 3-Ring Gebissen:
- Backenstück im oberen kleinen Ring und Zügel im großen Ring: Dies hat die gleiche Wirkung wie eine normale Wassertrense.
- Backenstück im oberen kleinen Ring und Zügel im unteren kleinen Ring: Hierbei wird sowohl auf die Zunge als auch auf das Genick eingewirkt.
- Backenstück im großen Ring und Zügel im unteren kleinen Ring: Hierdurch entsteht eine starke Einwirkung auf die Zunge, während das Genick keinen Druck erhält.
Die Kandarenzäumung setzt sich aus dem Kandarengebiss und einer Unterlegtrense zusammen. Die Unterlegtrense sollte in Größe und Form der Standardtrense entsprechen und an der gleichen Stelle im Pferdemaul verschnallt werden. Das Kandarengebiss wird etwas tiefer im Pferdemaul eingeschnallt, wo es schmaler ist, weshalb die Kandare in der Regel 1/2 bis 1 cm kleiner gewählt werden sollte als die Unterlegtrense.
Es ist wichtig, dass die Seitenteile der Kandare dicht an den Maulwinkeln abschließen, um ein Blockieren oder Verkanten der Kandare zu verhindern. Die Kinnkette sollte so verschnallt werden, dass die Kandare bis zu einem Winkel von ca. 45° angenommen werden kann. Die Kandare wirkt auf verschiedene Punkte am Pferdekopf ein: auf die untere Lade über die Zunge, auf das Genick durch Hebelwirkung und auf den Unterkiefer über die Kinnkette.
Die Stärke der Einwirkung auf das Genick hängt von der Länge der Ober- und Unterbäume ab. Gängige Kandaren haben 7 cm lange Unterzüge, aber auch Kandaren mit 5 cm langen Unterzügen, auch als "Babykandaren" bezeichnet, sind üblich. Dieser Ausdruck suggeriert fälschlicherweise, dass diese Kandaren besonders für Anfänger geeignet sind. Kandaren mit kürzeren Unterzügen haben eine direktere und schnellere Einwirkung durch die Zügelhilfen, da der Hebelweg kürzer ist, aber der Druck auf Unterkiefer und Genick ist geringer. Der Platz im Pferdemaul ist begrenzt, insbesondere der Gaumen ist flacher als oft angenommen. Eine Kandare mit zu schmaler und hoher Zungenfreiheit kann bei Zügelanzug Druck im empfindlichen Gaumenbereich erzeugen. Es empfiehlt sich daher, eine Kandare zu wählen, die Platz für die Zunge lässt und nicht in den Gaumenbereich drückt.